Klimawandel

Stichworte des Vortrags zu Workshop 5 „Klimawandel", 7.9.2011 von Christoph Schwager

Was ist „Klima“?

  • Durchschnittsverhalten (Durchschnittswerte) des Wetters über einen langen Zeitraum
  • differenziert nach Zeit, Raum und Maßstab (lokal, regional, global, Jahreszeit, Tageszeit, Zyklen)
  • nicht direkt wahrnehmbar
  • fundamental wichtig für das Leben und geologische Prozesse
  • hochkomplexe Zusammenhänge von vielen Faktoren (s.u.)
  • einzelne Wetterereignisse erlauben keine Aussage über das Klima
  • nicht-lineares System mit vielen Rückkopplungen, daher sind völlig überraschende und irreversible Entwicklungen möglich (Kipppunkte)

Was ist „Klimawandel“?

  • Veränderung der Durchschnittswerte
  • es gab schon mehrfach gravierende Klimawechsel
  • Warmzeiten im Jura und Tertiär
  • Eiszeiten im Präkambrium, Perm oder Quartär (Warmzeit ist Normalzustand, aktuell Eiszeit)
  • es gibt natürliche und menschliche Ursachen, die in Wechselwirkung geraten können
  • ebenfalls nicht direkt wahrnehmbar

natürliche Faktoren und Prozesse des Klimas und Klimawandels

  • Sonne
  • die Erdbahn um die Sonne und die Neigung der Erdachse und damit die Einstrahlwinkel der Sonnenstrahlen
  • atmosphärische Zirkulation
  • Meeresströmungen (ozeanische Zirkulation)
  • Erdoberfläche, Relief, Land/Meer-Verteilung
  • Kontinentaldrift
  • Vulkanismus
  • Lebenswelt
  • Treibhausgase (CO2, Methan, Wasserdampf)
  • Einzelereignisse (z.B. Meteoriteneinschlag, Großbrände)

menschliche Faktoren und Prozesse des Klimas und Klimawandels

  • Entwaldung
  • Landwirtschaft
  • Landnutzung
  • Treibhausgase (Quellen: Verkehr, Industrie, Landwirtschaft, Landnutzung, Energie, Abfall, Bauten. Arten: CO2, Methan, Stickoxide)
  • Eingriff in Lebenswelt
  • Veränderung der Geochemie (z.B. Versauerung der Atmosphäre und Ozeane, CCS, FCKW)
  • es sind also wirtschaftliche, soziale und kulturelle Antriebe

Besonderheit des aktuellen Klimawandels

  • ausgelöst durch Menschen
  • extrem schneller Verlauf - kaum Anpassung möglich
  • menschliche Ursachen dominieren

Auswirkungen

  • schwer vorhersagbar
  • die Natur betreffend: z.B. Eisschmelze, Anstieg des Meeresspiegels, Überflutung von Inseln und Küstengebieten, häufigere und schwerere Stürme, Veränderung der atmosphärischen und ozeanischen Zirkulation, höhere Temperaturen (besonders in polaren Gebieten), Veränderungen im Niederschlagsregime, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, Veränderungen des ökologischen Gefüges, Desertifikation, Erosion
  • die Menschen betreffend: z.B. Verlust von Siedlungsräumen, drastisch veränderte Bedingungen für Landwirtschaft, gefährdete Ernährung, Trinkwasserknappheit, Krankheiten, Gefährdung durch extreme Wetterereignisse, Migrationsdruck, hohe volkswirtschaftliche Schäden (z.B. Infrastruktur), irreversible Ressourcenverluste
  • positive Auswirkungen: in manchen Gegenden bessere Bedingungen für Landwirtschaft, Tourismus, Abbau von Bodenschätzen, Schifffahrt
  • siehe Diagramm aus der Arbeitshilfe

Wahrnehmung des Klimawandels - psychologische, kulturelle Aspekte

  • „shifting baselines“: womit wird verglichen, um überhaupt eine Veränderung zu konstatieren? Was ist „normal“?
  • Welzer S. 34: „Die vielleicht gravierendste Eigenart des Klimawandels liegt in der Verwässerung der Ursache-Wirkungs-Ketten. Die Ursachen für die heutigen Probleme reichen ein halbes Jahrhundert und länger zurück, und alles, was man heute tun kann, hat nur höchst unsichere und zeitlich weit entfernte Erfolgsaussichten. Hier ist die zeitliche Beziehung zwischen Handlung und Handlungsfolge, generationenübergreifend verlängert, ein ganz neues Problem.“
  • unterschiedliche kulturelle Wahrnehmungs- und Handlungsmuster

Gerechtigkeit / Asymmetrie

  • Akteure und Betroffene (positiv, negativ), Gewinner und Verlierer
  • Nord-Süd, Generationen, arm-reich, Industrieland-Entwicklungsland, Täter-Opfer
  • Hauptverursacher sind am wenigsten betroffen und können sich am besten schützen oder anpassen. Die Haupt-Leidtragenden sind diejenigen, die am wenigsten zum Problem beigetragen haben und sich am wenigsten auf die Folgen einstellen können.
  • Diese Aussagen gelten verschärft für die Generationen.
  • Das ethische Fehlverhalten von Massentierhaltung ist harmlos gegen die Massenvernichtung von Arten und Lebewesen durch den Klimawandel.

Was ist eine „Katastrophe“?

  • hängt von der Perspektive ab
  • der Begriff entstammt stark aus menschlicher Sicht
  • i.d.R. erst bei großen (negativen) Auswirkungen auf den Menschen
  • erleben wir subjektiv wirklich eine Katastrophe oder vielmehr Alltagsroutine?
  • gesellschaftliche Katastrophen häufig nicht sofort erkennbar (Zitat Welzer, S. 95f: „Es wird chronisch unterschätzt“)

Maßnahmen und Klimapolitik

  • 2°-Ziel, davon haben wir bereits 0,7°
  • Verdrängung des Themas durch andere (Finanz-, Wirtschafts-, Eurokrise, vermeintlicher Wachstumsbedarf)
  • Rio 92 und Kyoto
  • Konferenzen
  • Geo-Engineering
  • andere Technologien, bes. hinsichtlich Energie
  • Einsparung
  • zahlreiche NGOs und zivile Aktivitäten
  • insgesamt viel zu wenig, enormer Widerstand
  • „Denn sie tun nicht, was sie wissen.“
  • 3 Grundhaltungen: vermeiden, reparieren, anpassen
  • häufig technischer Fokus, selten kultureller

Zitat zum Abschluß, Welzer, S. 13:

„…die große Transformation, die ansteht, gleicht in ihrer Tiefe und Breite historischen Achsenzeiten wie den Übergängen in die Agrargesellschaft und in die Industriegesellschaft. […] Am Horizont steht eine postkarbone Gesellschaft mit radikal veränderten sozialen, politischen und kulturellen Parametern. Eine Gesellschaft, die die Krise verstehen und meistern will, kann sich nicht mehr auf Ingenieurskunst, Unternehmergeist und Berufspolitik verlassen (die alle gebraucht werden), sie muß – das ist die zentrale These unseres Buches – selbst eine politische werden: Eine Bürgergesellschaft im emphatischen Sinn, deren Mitglieder sich als verantwortliche Teile eines Gemeinwesens verstehen, das ohne ihren Beitrag nicht überleben kann.“

Diskussionspunkte

  • Was ist Klimagerechtigkeit?
  • Was bedeutet konkret „radikal veränderte soziale, politische und kulturelle Parameter“?
  • Klimawandel und Kapitalismus
  • Forderungen des Klimaschutzes
  • Klima und Kirche

Quellen

Studie Zukunftsfähiges Deutschland (ZD)
Brot für die Welt: Arbeitshilfe zur Studie
Wege aus der Hungerkrise (Zusammenfassung Weltagrarbericht)
Wikipedia
Atlas der Globalisierung. Le Monde diplomatique
Leggewie/Welzer: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie. Fischer, 2009.


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